Das  einmalige und  grandiose  Pamphlet des braven Soldaten Helmut in Abschrift, nicht zuletzt,  damit es nicht verloren geht:

 

 

Dr.med. H. Payer

Augenarzt FMH

Quaderstrasse 2

Chur, 5.Oktober 1993

Offener Brief an den

                                             Präsidenten der SOG

                                             und an alle Mitglieder  der SOG

Die verheerende Irrlehre rund um den Polatest

Sehr geehrter Herr Präsident

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen

Während des diesjährigen Jahreskongresses der SOG bin ich zum Wachehalten in Graubünden eingeteilt und werde nicht in Pruntrut sein können So wende ich mich in Sorge um das mir anvertraute Wohl von vielen bei uns und bei Optikern Rat Suchenden und in Sorge um unsere ärztliche Pflichterfüllung und um unser Ansehen an Sie.

Die geringe Tiefe und Verbreitung des Wissens um die Sinnesphysiologie des beidäugigen Sehens einerseits und unser sträfliches Gewährenlassen im Wissen darum andererseits haben die Ausbreitung einer grossen Schaden stiftenden Irrlehre möglich werden lassen. Sektierend, fanatisch und damit klarer Gedankengänge unfähig, blocken die auf die nicht zielführenden Ergebnisse des Polatestes zählenden Prismenaufbauer nicht nur jede wissenschaftliche Argumentation ab, sondern sie begehen auch Rufmord an uns allen. Wir dagegen haben uns bisher nicht aufraffen können, die fehlgeleiteten Betroffenen – öfter die eigenen Patienten - vor fortgesetzten kriminellen Handlungen (fortgesetzte Kunstfehler) zu schützen. Wir haben es versäumt, die Bevölkerung über das Treiben der Polatest-Sekte nachhaltig aufzuklären, die Behörden zu informieren, ja die Staatsanwaltschaft fallweise einzuschalten. Wir lassen uns wehrlos von im Fach halbgebildeten bei der Bevölkerung als inkompetente Tölpel hinstellen.

Prof. Dr. Joseph Lang, wohl der prominenteste Strabologe im deutschen Sprachraum, hat längst das Wesen der Irrlehre um den Polatest dargelegt: Zur klaglosen Funktion des Beidäugig-Sehens bedarf es für beide Augen gleichartiger Lichtreize, die auf den gelben Fleck und seine unmittelbare Umgebung gerichtet sind. Der Lichtreiz durch in einer Ebene schwingendes Licht für das rechte Auge und der Lichtreiz in der senkrecht dazu schwingenden für das linke, wie dies im Polatest geschieht, geben umso weniger den Anreiz zum von der Natur weise geschaffenen Fusionszwang, der zum Binokularsehen führt, ab, als die im Polatest dargebotenen Sehzeichen weitab vom höchstempfindlichen Netzhautzentrum auf die Netzhaut treffen.

Mit fundiertem Wissen über die Physiologie des Gesichtssinnes ist die Tauglichkeit des verwendeten Polatestes zur Prüfung der binokularen Funktion widerlegt. Die missbräuchliche Verwendung führt zu grundfalschen Schlüssen, in deren Konsequenz Augengesunde zu Augenkranken gemacht werden: Die bei ein und demselben augengesunden Menschen fortlaufend verstärkte Prismenkorrektur – weil fortlaufend mit dem Polatest kontrolliert, führt häufig zur Augenkrankheit des manifesten Schielens und damit in die Klauen des für das Klientel zuständigen Schieloperateurs.

Mit der Polatest-Impfstation in der Optikerschule und dem Protagonisten aus unserer Zunft hat Olten einen unrühmlichen Ruf erlangt, der Kreise auch ins Ausland zieht.

Unnötig schieloperierte Kinder, bei denen schon in Anbetracht des unnötigen Narkiserisikos der Tatbestand der schweren Körperverletzung jedes Mal erfüllt ist, Erwachsene, die mit der frischen Prismenbrille über die Stiege stürzen, Berufstätige, die infolge Prismen-veursachter Kopfschmerzen und Schwindel berufsunfähig werden, fehlgeleitete Schulpsychologen, die nach der unseligen Anregung Prof. Otto's die legasthenischen Kinder den Prismenmonteuren unter den Optikern schicken und damit in den Rachen des operationslüsternen Pseudostrabologen schieben, Kinder die so der Untersuchung durch den kritischen Augenarzt entzogen werden, verunsicherte Eltern und Erzieher, nicht zuletzt der entstehende volkswirtschaftliche Schaden, all das muss genügen: Fassen wir den Entschluss, alles zu unternehmen, um den Polatest-Wahn zu eliminieren. Wir Augenärzte müssen sachlich aufklären. Kein Optiker soll ohne augenärztliche Verordnung auch nur irgend ein Prisma in die Brille geben dürfen. Die Behörden und die Bevölkerung müssen auf das grassierende Unwesen aufmerksam gemacht werden. Wir sind dies den bei uns Rat Suchenden schuldig, und wir sind dies der Bevölkerung unseres ganzen Landes schuldig, damit es in Zukunft nicht noch mehr durch unser Schweigen Betroffene geben soll.

Im Vertrauen auf Ihren Mut zur Entscheidung wünscht Ihnen im Namen der Churer Augenärzte einen in allem erfolgreichen schönen Kongress in Pruntrut

Ihr

Helmut Payer

(Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht...!  Auf diesen Rundbrief  an alle äugenärztlichen Praxen hatten Dr. U.Schmied und andere Personen Entgegnungen verfasst, die ich hier nicht noch einmal wiedergebe, weil die wichtigsten sachlichen  Informationen zur MKH in diesen Webseiten enthalten sind )