Häufige Fragen

(Siehe auch oben "Informationen aus persönlicher Sicht")

1. Was heissen "MKH" und "Winkelfehlsichtigkeit (abgek. Wf)"?

MKH ist die Abkürzung für "Mess-und Korrektionsmethode nach H.J.Haase" und bezeichnet die Schielwinkelmessung bei verstecktem Schielen mittels (positiv) polarisierter Sehzeichen  (von der Firma ZEISS als Polatest  bezeichnet) in sechs Metern Abstand vom Augenpaar.   "Winkelfehlsichtigkeit" (oder assoziierte Heterophorie)  ist das Resultat dieser Messung. Die "positive Polarisation" ergibt schwarze Sehzeichen auf hellem Grund, sodass im hellen Raum untersucht weden kann. Dies vemeidet Irrtümer durch die sogenannte "Dunkelruhestellung" der Augen.

2. Haben nicht fast alle Menschen ein "verstecktes Schielen"?

Ja, das stimmt. Ob man es korrigieren sollte, hängt davon ab, ob es aktuell  Beschwerden macht oder nicht, und letzteres wieder vor allem von zwei Bedingungen: von der Grösse und Richtung des Schielwinkels und von der Sehbelastung einer Person  im Alltag.

3. Was sind typische Beschwerden für "verstecktes Schielen"  ?

Kopfschmerzen, Brennen und Tränenfluss bei Augenanstrengung. Verlangsamtes Lesen mit rascher Ermüdung und Verrutschen im Text.  Schwindelgefühle bei Blickwechseln.  Am Bildschirm sind die Symptome besonders ausgeprägt. Grosse Schwierigkeiten, eine (neue) Schrift zu erlernen. Verzögerte Scharf-Einstellung bei Blickwechseln. Kurzes Doppeltsehen bei Augenanstrengung. Dies wird manchmal nicht bewusst realisiert, vor allem bei kleinem Doppelbild-Abstand. Das kann beim Beobachten eines kleinen fernen Objektes bei hohem Kontrast durch wiederholtes Zu- und Aufdecken eines Auges subjektiv erkannt werden. Beim klassischen Zudecktest in der Schielheilkunde würde die untersuchende Orthoptistin noch  keine Einstellbewegung feststellen können. Egal wie gering der Doppelbildabstand aber ist, es stört die prazise Wahrnehmung. Schlechte Raumeinschätzung (Autolenken!). U.a.m., wie selten sogar einmal ein sogenanntes chronisches Müdigkeitssyndrom ("CFS"). Alle diese Beschwerden  fasst man mit dem Begriff  "Asthenopie"  zusammen.

4. Sind "verstecktes Schielen" und "Winkelfehlsichtigkeit (Wf)" das gleiche?

Oft nicht, jedoch ja, sofern es auf die gleiche Weise gemessen wird, nämlich mittels MKH. Die wissenschaftliche Bezeichnung dafür lautet "assoziierte Heterophorie" (= Ergebnis einer Schielwinkel-Messung unter binokularen Bedingungen). Entscheidend ist also die Messmethode, wie auch deren Präzision. Weil zur Bildtrennung polarisierende Filter verwendet werden, heisst das Untersuchungsgerät für die MKH auch  "Polatest (-Sehprüfgerät)".

5. Mein/e Augenarzt/ärztin sagt, ich hätte kein verstecktes Schielen. Kann ich trotzdem eine Wf haben?

Ja. Wie unter 4. erwähnt, ist die Messmethode entscheidend. In der Augenpraxis werden üblicherweise in etwa 30 cm durch Aufdecken je eines Auges Einstellbewegungen (Fixationsaufnahme) dieses vorher zugedeckten Auges beobachtet. Im Unterschied dazu ist die Ablesedistanz für den Schielwinkel bei Verwendung der MKH  6 Meter (ausserdem bei gleichzeitiger beidäugiger Wahrnehmung).  Dies ist gemäss Strahlensatz der Geometrie ein Faktor von etwa 20   (600 cm : 30 cm), um welchen die Winkelablesung bei Verwendung der MKH genauer ist.

6. Gibt es dicke Gläser, wenn man die Wf korrigiert?

Gelegentlich, meistens nicht. Ist die WF so gross, dass es dicke Gläser brauchen würde, ist in der Regel eine Schieloperation möglich.

7. Was passiert, wenn man eine Wf nicht korrigiert??

Nicht viel; es bleibt alles beim Alten, fast.  Es nehmen die Stereosehschärfe und damit die Genauigkeit der Raumwahrnehmung über die Jahre langsam ab, und die Beschwerden bleiben lange Zeit bei vergleichbarer Sehleistungsanforderung fast gleich.  Sie nehmen über Jahrzehnte auch langsam ab. Manchmal tritt aber  auch in höherem Alter  (60+ Altersjahre, selten früher) ein "akutes Schielen" mit Doppelbildwahrnehmung auf.  Dies erfordert dann eine Schieloperation, nachdem andere Ursachen für das akute Schielen dafür  ausgeschlossen wurden.

 

 

8. Wie wirkt eine Prismenbrille?

Prismenbrillen wirken nicht direkt optisch auf die Sehschärfe (obwohl sich mit einer solchen längerfristig die Sehschärfe eines oder beider Augen auf das physiologische Maximum steigern kann), sondern auf die Stellung der Augen in den Augenhöhlen. Diese können hinter der Prismenbrille in ihre anatomische Ruhestellung (Schielstellung) abweichen und trotzdem nicht doppelt sehen. Dadurch werden die Blickbewegungen bei geringerer Anstrengung rascher und präziser.

9. Muss eine Prismenbrille immer getragen werden?

Nein. Sie nützt jedoch nur dann, wenn sie getragen wird. Wenn sich schwere Wahrnehmungstörungen über die Jahre vor dem Tragen einer Prismenbrille entwickelt hatten, so können sich diese nur zurückbilden, wenn die Prismenbrille mindestens zu Beginn dauernd getragen wird. In solchen Fällen ist es empfehlenswert, sie auch längerfristig dauernd zu tragen. Wenn Anstrengungsbeschwerden im Vordergrund gestanden hatten, so kann die Prismenbrille für visuell anspruchslose Tätigkeiten beiseite gelassen werden ohne dass gleich die Beschwerden wieder einsetzen  (das Erfolgserlebnis der "Prismen-weg-Verordner"  unter der Augenärzteschaft....).  Es könnten also ohne weiteres  für anspruchslose Sehaufgaben  z.B. bei Kurzsichtigkeit Kontaktlinsen getragen werden.

10. Müssen Prismenbrillen häufig geändert werden?

Nein. Nach einer Messung durch kompetente und erfahrene MKH-Anwender kann fast sicher erkannt werden, ob eine hohe Wf  (die zur vollen Korrektion eine Schieloperation erfordern würde) wahrscheinlich ist. Auch dann kann manchmal schon nach einem einzigen Gläserwechsel die Operation geplant werden.  In andern Fällen kann durch Lösen von Ausgleichstonus innert einigen Monaten eine zweite, etwas stärkere und dann meist ziemlich definitive Korrektion erforderlich werden.  In den seltenen Fällen mit erheblich gestörter Sensorik (schlechte oder sehr schlechte Stereosehschärfe) empfehlen sich in der Regel provisorische Gläser, die in kostengünstiger Machart gefertigt sein können, für wenige Monate,  bis man die definitiven verordnen kann.

 

 

11. Ist Augenanstrengung nicht etwas normales, das keine Behandlung braucht?

 

Sicher. Hier geht es um übermässige Anstrengung der Augen, welche Beschwerden macht.  Um den gleichen Text zu lesen als Beispiel, benötigt ein winkelfehlsichtiges Augenpaar viel mehr Anstrengung, und damit auch Zeit, als ein winkelrechtsichtiges  Augenpaar, weil dauernd dem "Abweichen-wollen"  der Augenachsen mit Muskelkraft (der äusseren Augenmuskeln) entgegengweirkt werden muss.  Wer bereit ist, die Beschwerden zu ertragen, wird auf eine Prismenbrille verzichten.

12. Wiese ist die Methode umstritten?

Dies ist mir nicht klar, ich streite nicht....Ich erkenne in der MKH einen genialen Wurf von H.J.Haase, der die Methode aufgrund langjähriger eigener Forschung und Anwendungspraxis entwickelt hat.  Sie hat  ihre Praxistauglichkeit  vieltausend-fach bewiesen. Wer Nutzen und Wirksamkeit der MKH anzweifelt, zweifelt unter anderem  an der Muskel-  und Sinnesphysiologie und am  Strahlensatz der Geometrie ... Man kann bestens im Glauben leben, dass die Erde eine Scheibe sei, auch wenn es nicht stimmt....