Bericht der Mutter eines achtjährigen Sohnes

Unser Sohn war ein liebes, unternehmungslustiges und normal entwickeltes Kleinkind. Mit zwei Jahren merkten wir, dass seine Sprachentwicklung verzögert war. Er plauderte in seiner eigenen Sprache munter drauflos. Er sei halt ein später, wurde mir von Fachpersonen erklärt, als ich meiner Besorgnis Ausdruck gab.

Mit zweieinhalb Jahren brachte ich ihn in die Spielgruppe. Er hatte Mühe, sich von mir zu lösen, war sehr scheu und spielte bevorzugt alleine.

Mit viereinhalb Jahren kam er in den Kindergarten. Dort wurde er sehr schnell auffällig. Er mache im Kreis nicht mit, singe nicht, spreche kaum und wenn er spreche, dann verstehe sie ihn nicht, er verstehe Fragen kaum, sei unkonzentriert und wirke unreif, meinte die Kindergärtnerin. Sie schlug vor, dass wir den Jungen ohren- und augenärztlich untersuchen lassen sollten, vielleicht läge das Problem bei der Wahrnehmung. Ausserdem wollte sie den Jungen schulpsychologisch abklären lassen.

Die augenärztliche Abklärung ergab keinen Befund. Ein Auge rutsche ihm manchmal weg, aber das könne er gut ausgleichen und ausserdem wachse sich das aus, das sei alles kein Problem, erklärte mir die Orthoptistin. Eine zwischenzeitlich ausgeführte logopädische Abklärung erhärtete den Verdacht auf eine schwere Spracherwerbsstörung mit Disgrammatismus. Dasselbe Resultat zeigte sich auch bei der schulpsychologischen Abklärung. Dazu kam allerdings die überraschende Erkenntnis, dass der Junge überdurchschnittlich intelligent sei und deshalb nicht zurückversetzt werden sollte, sondern, dass versucht werden sollte, sein Sprachproblem anzugehen. Dafür würde man uns den Übertritt in den 2. Sprachheilkindergarten empfehlen und anschliessend an dieses Jahr den Übertritt in die 1. Klasse empfehlen, entweder in der Sprachheilschule oder am Wohnort.

Die Gehörabklärung führte uns über mehrere Ärzte zur Gehörabteilung des Kantonsspitals, bis es gelang, an dem Jungen einen Gehörtest vorzunehmen. Man warf dem Kind vor, er mache bei den Tests nicht richtig mit. Ich sass daneben und ertrug die Lautstärke der hohen Frequenzen fast nicht, doch der Junge reagierte nicht darauf. Trotzdem erklärte der Arzt, dass der Junge ein normales Gehör besitze und eigentlich in der Lage sein sollte, die Sprache zu erlernen. Eine schulpsychologische Abklärung sei darum sinnvoll, er vermute das Problem eher bei der Intelligenz! Meinen mündlichen Bericht über die Resultate der schulpsychologischen Abklärung wollte er nicht zur Kenntnis nehmen, stand auf und drängte uns hinaus.

Im Sprachheilkindergarten erhielt das Kind täglich Logopädiestunden. Der ganze Unterricht war auf intensives Sprachlerntraining ausgerichtet und trotzdem machte der Junge nur kleine Fortschritte. Dafür ging es ihm immer schlechter. Er zog sich zu Hause von seinen Freunden und Geschwistern zurück und mit der Zeit lief er kaum mehr aufrecht. Er klagte über Müdigkeit und seine Haltung wurde immer schlaffer und der Junge immer antriebsloser. Morgens musste ich ihn wie ein kleines Kind anziehen und zum Haus hinausschieben, damit er noch rechtzeitig auf den Schulbus kam. Er würde halt viel lieber zu Hause sein und nicht in den Sprachheilkindergarten müssen, seine Geschwister dürften das ja auch, sagte er oft. Der verzweifelte Blick des Jungen, wenn er im Schulbus davonfuhr, war für mich kaum auszuhalten.

Im Kindergarten sei er ganz anders, er komme fröhlich an und mache einigermassen mit, meinte die Kindergärtnerin; er sei am Nachmittag einfach sehr müde. Wenn ich zu Besuch kam, war er überglücklich und wäre an liebsten mit mir gleich nach Hause gekommen. Er war überhaupt auffallend anhänglich geworden, seit er in den Kindergarten ging. Er kam häufig zu mir und klammerte sich ganz fest an mich. Er brauchte sehr viel Geborgenheit und Nähe während dem Sprachheilkindergartenjahr!

Weil ich mir grosse Sorgen um den Jungen machte, besprach ich die Situation mit unserem Hausarzt. Er ordnete daraufhin eine entwicklungspädiatrische Abklärung im Kinderspital an, welche die Spracherwerbsverzögerung und die überdurchschnittliche Intelligenz bestätigte. Für seine motorischen Schwierigkeiten und die schlaffe Haltung bekam der Junge 2 Jahre Ergotherapie verschrieben. Im Anschluss daran empfehle man ihm Karate- oder Judotraining, meinten die Ärztinnen. Seine Schwierigkeiten blieben ein Rätsel!

Um Ostern fand ein Elterngespräch statt. Man wollte unserem Sohn ein drittes Kindergartenjahr gewähren, weil er in vielen Dingen einfach noch nicht reif sei für die Schule (Verständnis, Motorik usw.). Wir waren überhaupt nicht begeistert von dieser Idee. Man gewährte uns eine Bedenkfrist.

Die Sprachheilkindergärtnerin machte mich erneut darauf aufmerksam, dass der Junge ein Hörproblem haben könnte und riet zu einer weiteren Abklärung. Weil ich nicht wusste, welcher Ohrenarzt den überhaupt noch in Frage kommen könnte, um den Jungen erneut zu testen, folgte ich dem Rat meiner Schwester, die Kinderpsychologin ist, es doch mit der Tomatis-Therapie, einer Methode für Audio- Psycho-Phonologie, zu versuchen und meldete das Kind für einen Hörtest im Tomatis- Center an. Gleich am nächsten Tag wurde die Ohrdiagnostik von dem Tomatis-Therapeuten vorgenommen, und der Junge unverzüglich zu einem ORL-Arzt in die Südostschweiz überwiesen, weil der Test ein offensichtliches Hörproblem zu Tage brachte! Der ORL- Arzt diagnostizierte eine leichte Innenohrschwerhörigkeit hauptsächlich im Bereich der höheren Frequenzen und verordnete dem Kind beidseits Hörgeräte, Lateraltraining und die Tomatis- Therapie. An der Sprachheilkindergartenmassnahme hatte er seine Zweifel.

Die Therapie begannen wir unverzüglich. Ich holte den Jungen jeweils vom Sprachheilkindergarten ab und so konnten wir vor dem Schuljahresende den ersten von insgesamt vier Blöcken der Musik-Therapie absolvieren. Das war das Beste, was wir zu diesem Zeitpunkt für den Jungen tun konnten! Der Alltag war für uns bis dahin sehr schwierig und nicht selten flossen bei unserem Jungen und mir Tränen der Verzweiflung! Schon die ersten Stunden der Therapie waren für das Kind eine Wohltat. Seine Haltung wurde aufrechter und in seinem Gesicht erschien wieder ein Lächeln. Die Sprache verbesserte sich zusehends. Auffallend war, wie er auch ohne Hörgeräte sehr rasch zu reagieren begann, wenn er angesprochen oder gerufen wurde. Seine Hörfähigkeit verbesserte sich auch im Bereich der höheren Frequenzen. Er konnte plötzlich das Zirpen der Grillen und Heuschrecken hören und fragte verwundert, was denn da so töne?

Die Bedenkfrist war um, und wir mussten unseren Entscheid bekannt geben. Ich hätte gerne mit dem schulpsychologischen Dienst die Situation besprochen, doch mein Hilferuf wurde lediglich mit ein paar lapidaren Erklärungen abgewimmelt. So wandte ich mich an meine Schwester, deren Fachgebiet ohnehin Potentialanalysen und Lernschwierigkeiten ist und legte ihr sämtliche Berichte vor. Sie war überzeugt davon, dass der Junge seinen Fähigkeiten entsprechend in die erste Regelklasse eingeschult werden sollte. Wenn dies in der Sprachheilschule nicht möglich sei, dann eben am Wohnort. Nach sehr schwierigen Gesprächen mit den Verantwortlichen dieser Schule beschlossen wir, das Kind in die Regelklasse unseres Wohnortes einzuschulen. Dank eines Empfehlungsschreibens der Sprachheilschule gewährte man ihm eine Lektion Logopädie wöchentlich.

Schon wenige Monate nach der Einschulung meldete sich die Lehrerin und erzählte, dass er nicht mitmache, unkonzentriert sei, nicht wisse, was für Hausaufgaben er zu machen habe, usw. Die Sprache sei eigentlich nicht das Problem, seine Leistungen seien einfach schlecht. Sie schlug vor, den Schulpsychologen zu Hilfe zu nehmen. Es fand also wieder eine Abklärung statt, die einmal mehr das übliche Resultat enthüllte! Der Schulpsychologe und die Logopädin meinten dann, dass die Sprachheilschule für dieses Kind genau die richtige Therapie wäre. Für uns kam diese Lösung überhaupt nicht mehr in Frage, hatte sich unser Junge endlich vom Schlimmsten erholt und sein Trauma dank der Tomatis-Therapie und der Tatsache, wieder zu Hause sein zu dürfen, teilweise überwunden. So erwog man eine Umplatzierung in die Einführungsklasse, weil er einfach mehr Zeit brauche, oder halt die letzte Möglichkeit, dass er in die 2. Klasse dürfe unter der Vorraussetzung, dass er endlich aufdrehe.

Nach erneuter Rücksprache mit meiner Schwester, die meinte :“ Einfach weiter“, nahmen wir dankbar das letzte Angebot in Anspruch. Der Junge war überglücklich, dass er in die 2. Klasse durfte. Die Schule war schon von Anfang an sehr anstrengend für ihn. Mittags kam er fast auf allen Vieren nach Hause und war todmüde. Die Hausaufgaben waren selten in weniger als zwei Stunden fertig. Er brauchte eigentlich seit seiner Einschulung meine volle Aufmerksamkeit, war sehr aggressiv, vor allem seinem jüngeren Bruder gegenüber. Wenn er völlig aufgelöst war, klagte er, wie sein Leben doch schwer sei. Er wolle am liebsten nicht mehr leben. In so einem Augenblick habe ich ihm versprochen: „ Ich werde Dir helfen. Wir werden die Ursache finden, die Dich so quält und wenn wir dazu Himmel und Hölle in Bewegung setzen müssen! Ich werde nicht eher aufgeben!“ Bevor das erste Schuljahr zu Ende ging, liess ich ihn von einer Kinderpsychiaterin abklären. Sie fand jedoch keine Anhaltspunkte, die auf eine eventuelle Blockade oder spezielle Ängste schliessen liessen. Einmal mehr war die Fachwelt um uns herum ratlos!

Ich veranlasste dann einige Stunden Kinesiologie, die für ihn sehr wohltuend waren und sein verletztes Selbstwertgefühl aufbauen halfen.

Die Ergotherapie war nun abgeschlossen und endlich begann für ihn das heiss herbeigesehnte Karatetraining, das sein vier Jahre älterer Bruder schon seit längerem besuchte. Der vierte und letzte Block der Tomatis- Therapie brachten dem Jungen sein Lachen wieder zurück, dass wir seit dem ersten Kindergartenjahr immer seltener und dann gar nicht mehr gehört haben.

Trotz allen Therapien, Fördermassnahmen und Abklärungen war da immer noch ein massives Problem, das den Jungen ganz extrem belastete. Es bremste ihn dermassen ab, dass er nicht in der Lage war, seine Fähigkeiten zu gebrauchen.

Meine Schulbesuche waren für mich erschütternde Erlebnisse. Der Junge sass da und jeder konnte sehen, wie er litt!

Meine Schwester machte mich dann auf die Winkelfehlsichtigkeit aufmerksam. Ich wusste anfangs nicht so recht, was ich davon halten sollte und zögerte einige Zeit.

Sie gab mir die Adresse einer Logopädin, die Kinder auf Wahrnehmungsstörungen hin untersuchte. Wir reisten also quer durch die Schweiz und sie testete den Jungen. Sie vermutete bei ihm eine Winkelfehlsichtigkeit und riet mir, den Jungen augenärztlich untersuchen zu lasse. Das tat ich dann auch, nur ging wieder ein viertel Jahr an uns vorüber, bis wir endlich zum Termin erscheinen konnten. Ich erwähnte den Verdacht auf Winkelfehlsichtigkeit, der dann die Orthoptistin bestätigte. Sie riet zur Schieloperation und versprach die schnellstmögliche Anmeldung für die Voruntersuchungen im Kantonsspital. Nach acht Wochen, die Sommerferien waren mittlerweile vorbei, war die Anmeldung im Spital immer noch nicht eingetroffen. Ich schlief mehrere Nächte kaum noch und hatte wahnsinnig Angst, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, wer den Jungen behandeln soll, den unterdessen hatte mir die Logopädin die Liste der IVBV (heute IVBS) - Mitglieder der Ostschweiz geschickt und so rief ich bei Kühnis Brillen in Gossau an. Ich löcherte den Optiker mit meinen Fragen. Wir machten einen Termin ab und ich konnte nach wenigen Tagen den Jungen von ihm testen lassen und wurde endlich ernst genommen mit den massiven Problemen, die unser Kind hatte. Der Junge war ganz fasziniert von dem, was und wie er mit der Testbrille sah. Am liebsten hätte er sie behalten. Er hatte eine grosse Winkelfehlsichtigkeit und der Augenoptiker überwies ihn unverzüglich an den einzigen IVBV- Augenarzt der Ostschweiz. Der Arzt verordnete dem Jungen eine Prismabrille und empfahl die Schieloperation, die er selber vornehmen würde. Er gab ihm eine gute Prognose. Die Schulschwierigkeiten würden rasch besser werden und der Junge würde innert Monaten in der Lage sein, schulisch aufzuholen, meinte er.

In den Herbstferien konnte der Junge sich an die starken Prismengläser gewöhnen. Schon nach wenigen Tagen stand er morgens um sieben Uhr auf und war am Mittag trotzdem noch nicht müde.

Er sah die Welt zum ersten Mal in seinem Leben klar und dreidimensional! Allmählich wurde sein und mein Leben leichter. Er schlief nach langen Jahren wieder in seinem eigenen Bett. Fünf Wochen, nachdem er seine Brille erhielt machte ich wieder einmal einen Schulbesuch. Ich ging schweren Herzens dorthin und schaute dem Treiben zu – und war völlig überrascht!

Mein Sohn sass schön gerade auf seinem Stuhl und machte aufmerksam am Unterricht mit. Den ganzen Morgen war er konzentriert und blinzelte mir verschmitzt durch seine dicken Prismengläser zu! Eine Woche später brachte er seine erste bestandene Lernkontrolle mit nach Hause. Wir waren sprachlos vor Freude!

Die Prismabrille funktionierte!

Zwei Wochen später wurde er an seinem schlimmer winkelfehlsichtigen Auge operiert. Drei Tage später sass er wieder in der Schule, mit knallrotem Auge, aber glücklich, weil er plötzlich so gut sah und das sogar ohne Brille.

Zwei Wochen nach der Operation wurden wir zu einem Elterngespräch aufgeboten. Ich ahnte, dass da etwas auf uns zukommen würde und hatte mich zuvor beim Augenarzt nochmals eingehend über die Prognosen für Schulkinder nach der Operation erkundigt, er verfügte ja nach unzähligen Operationen über einen reichen Erfahrungsschatz. Seine Praxisassistentinnen befragte ich auch. Ich war zu diesem Zeitpunkt wie auf Nadeln und war über jede Information froh. Meine Schwester meinte zu meinen Befürchtungen, ich solle gerade jetzt, wo der Junge eine deutliche Leistungsverbesserung erbracht habe nicht aufgeben und weiter für ihn einstehen, ich sei es, die sich für ihn einsetzen müsse, er sei darauf angewiesen, weil er völlig hilflos sei. Als Eltern hätte man das Recht und gegenüber dem Kind die Pflicht, nicht immer dem zuzustimmen, was die Lehrer und Schulpsychologen für das Richtige befänden und was das Beste für die Schule sei.

Ich hatte viele schlaflose Nächte hinter mir, bis das Gespräch stattfand. Es lief dann auch so, wie ich befürchtet hatte: Er brauche einfach mehr Zeit…, überfordert…, Zurückversetzung in die erste Klasse das Beste…, Chance…, ein Jahr gewonnen…, etc.

Es war so enttäuschend. Ich war fassungslos! Da hatte ich mich so bemüht! Hatte die Leute mit Infos versorgt! Der Lehrerin das Gespräch mit dem Augenarzt ermöglicht, damit wir alle denselben Wissensstand gehabt hätten.

Dann ergriffen wir das Wort und schöpften aus dem Vollen. Wir argumentierten, hinterfragten und widerlegten den Vorschlag so lange, bis man dem Jungen eine Gnadenfrist von drei Monaten gewährte. Er durfte er bis Ostern in der Klasse bleiben und wenn die Leistungen ungenügend wären, dann wäre er in die erste Klasse zurück versetzt worden. Die gewährte Frist war natürlich äusserst knapp bemessen und knallhart für den Jungen.

Sechs Wochen nach der Operation bekam er seine neuen zierlichen Prisma-Brillengläser. Dann waren nur noch ein paar wenige Wochen bis Ostern. In mir nagte das Entsetzen, wenn ich daran dachte, dass schon bald wieder so ein Gespräch stattfinden sollte. Mit grösster Besorgnis musste ich das Kind in die Schule schicken, im Wissen, dass eine Prüfung stattfinden würde! Mit grossem Bangen warteten wir die Prüfungsergebnisse ab!

Es war eine schreckliche Zeit!

Dann kam der Tag des Elterngesprächs. Wir hatten die Prüfungen zwar fast alle gesehen, freuten uns darüber und waren sehr froh, dass bis auf eine Note alle genügend bis gut waren, doch eine fehlte noch!

Da sassen wir, der Junge und wir Eltern, der gutgelaunten Lehrerin gegenüber und hörten zu. Seine Leistungen seien deutlich gestiegen und anhand des Notendurchschnittes werde er im Sommer in die dritte Klasse kommen! Dann hielt sie uns freudestrahlend das besagte Prüfungsblatt hin. Rechnen: 5-6! Wir waren sprachlos! Selbst der Junge war masslos überrascht! Mehrmals fragte er nach, ob das stimme, dass er eine 5-6 habe. Er war überwältigt vor Freunde, dass er in die dritte Klasse kommen würde! Die Lehrerin sagte, sie sei froh, dass man noch abgewartet habe, es hätte sich gelohnt.

Seit so vielen Jahren wollte er nur eines: dass endlich einmal etwas gut war, was er geleistet hatte. So oft hatte er sich bemüht, hatte alles gegeben und nie war es gut. „ Für Dich ist das ganz gut!“ solches Lob hatte er oft hören müssen, und es wäre besser gewesen, es wäre nichts gesagt worden. Lob mit Frustfaktor.

In den Osterferien hat ihm meine Schwester ein Training, das er jeden Tag machen muss, speziell nach seinen Bedürfnissen zusammengestellt. Es heisst Handle und ist ein nicht standardisiertes Assessment- und Behandlungsverfahren, bei dem Schwierigkeiten in der neurologischen Entwicklung festgestellt und in einem gezielten Training zu Hause angegangen werden können, damit effizienteres Funktionieren und Lernen im Alltag möglich wird.

Nach den Ostern fragte ich die neue Logopädin, wie lange die Logopädie wohl noch nötig sein werde. Sie schätzte, dass der Junge die Therapie schon noch über einen längeren Zeitraum nötig haben würde.

Wenige Wochen vor den Sommerferien meinte sie, dass man die Logopädiestunden aufgeben könne!

Jetzt ist der Bub in der 3. Klasse. Vor Kurzem wurden seine Brillengläser nochmals ein bisschen angepasst. Ich hatte bemerkt, dass die Leistungen stagniert waren, die Schrift mehr Mühe machte, die Dauer der Hausaufgaben angestiegen war und dass er nicht mehr gut zugehört hat!

Als wir die Brille zum Einsetzen der neuen Gläser zu Kühnis Brillen brachten, war er ausser sich, dass er sich für zwei, drei Stunden von seiner Brille trennen musste. Völlig zerknirscht hockte er im Auto und lamentierte: „ So lange ohne Brille. Ich will doch kein blinder Passagier sein!“

Uns ist ein riesengrosser, schwerer Stein vom Herzen gefallen. Wir sind sehr froh, dass unser Kind jetzt die Chancen hat, ein erfolgreiches, normales und glückliches Leben führen zu können. Wir sind froh, dass wir ihm geholfen haben die Vorraussetzung zu schaffen, seine Fähigkeiten und seine Intelligenz erblühen zu lassen. Ohne Eigeninitiative, ohne die Beratungen meiner Schwester und ganz besonders ohne die Top-Arbeit der Leute, welche die Ursache der Probleme beheben konnten, ganz besonders die Behandlung der Sehprobleme, die unser Kind am meisten gequält haben, und die Geduld der Lehrerin während diesen schwierigen ersten beiden Schuljahre, wäre dem Kind ein Leben im Abseits als verachteter, unfähiger, schwererziehbarer und äusserst frustrierter Mensch geblieben, der nicht viele Gründe gehabt hätte, in unserer leistungsorientierten Gesellschaft glücklich zu werden!

Unsere beiden anderen Kinder sind, wie dies oft der Fall ist, ebenfalls winkelfehlsichtig und tragen auch Prisma- Brillen.

Beide haben ihre Schulprobleme rasch überwunden und würden ihre Brillen auch nicht mehr hergeben.

Dem Ältesten geht es viel besser in der Schule. Er macht wesentlich weniger Schreibfehler, liest besser und muss weniger lernen.

Der jüngste Sohn hatte Probleme mit seiner Schrift und dem Lesen. Wenige Wochen nach dem Erhalt der Brille waren die Probleme bereits verschwunden.

Kürzlich sollte er mir als Hausaufgabe einen Text vorlesen. Weil er mit der Schule Schwimmunterricht hatte, habe ich ihm gesagt, er solle seine Brille zu Hause lassen und so hatte er sie nicht auf, als er begann mir vorzulesen. Es war eine armselige Sache! Er konnte kaum ein einziges Wort auf Anhieb richtig lesen und hatte überhaupt nichts vom Inhalt verstanden. Schlussendlich war er so frustriert und wütend, dass er am liebsten das Buch weit weg geschmissen hätte! Da ich in der Küche arbeitete, konnte ich nicht verstehen, warum der Junge plötzlich so miserabel las. Da fiel mir ein, dass er vermutlich die Brille nicht aufhatte, schaute zu ihm ins Wohnzimmer und hatte Recht! Er holte seine Brille, fing nochmals an zu lesen und las nun fliessend. Er lachte zwischendurch, was mir bewies, dass er die drollige Geschichte verstanden hatte!

Abschrift mit Erlaubnis der Mutter

Hier ein zweiter Bericht einer anderen Mutter

"Winkelfehlsichtigkeit gibt es nicht"

 

oder

 

„Wir haben ein anderes Kind“

 

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. (MKH-Praktiker, nicht Dr.U.Schmied),

 

nach dem wir heute Ihre Praxis mit einem OP Termin in der Tasche grinsend  verlassen haben (Felix hätte die OP am liebsten schon morgen), möchte ich Ihnen die Geschichte erzählen, die wir mit unserem Sohn zusammen erlebt haben:

Die Schwangerschaft mit Felix war phänomenal, keinerlei Schwierigkeiten und es ging mir sehr gut. Er kam mit einem Kaiserschnitt auf die Welt, weil der Muttermund streikte. Mit 7 Monaten begann Felix zu laufen und zwar ziemlich schnell...mit 2Jahren brachte er sich selbst das Fahrrad fahren bei (!).

 

Trotzdem habe ich mir damals Sorgen gemacht: Er war ein sehr stilles und zurückhaltendes Kind und mit dem sprechen fing er so mit 2 Jahren an, aber nur kurze einsilbige Worte. Er kam mit 3 Jahren in den Kindergarten, wo sehr schnell festgestellt wurde, dass mit seinen Augen etwas nicht stimmte. So bekam er seine erste Brille (10 Dioptrien, Hornhautverkrümmung und Kurzsichtig) und konnte im Alter von 3 Jahren zum ersten Mal sehen. Im Kindergarten bekam er Ergotherapie und Logopädie...die Logo hat ihm geholfen, aber trotzdem empfahl man uns Felix auf die Sprachheilschule zu schicken, was wir auch taten (der Kindergarten kennt sich ja aus).

In der Sprachheilschule dauert das erste Schuljahr 2 Jahre. Sie ging immer bis 13.00 Uhr und zu Hause wurden die Hausaufgaben gemacht. Diese 2 Jahre waren die schlimmsten in Felix und meinem Leben: Schreiben??? Um Gottes Willen: ob wohl dort Linien waren, schrieb er drunter und drüber! Lesen??? Katastrophe: er laß jeden Buchstaben als hätte er ihn noch nie gesehen und teilweise sogar rückwärts!

Mathe??? Ohmannohmann: Er verwechselte die Zahlen z.B.:59 = 95 und der Dinge mehr! Hausaufgaben machen war die schlimmste Katastrophe jeden und jeden Tag aufs Neue...schreien, brüllen heulen auf beiden Seiten. Und immer wenn ich ihn bat sich besser zu konzentrieren, umso schlimmer wurde es.

 

So war es auch nicht wirklich eine Überraschung für uns, das er nicht auf eine "normale Grundschule" gehen sollte, sondern auf eine Förderschule für Lernbehinderte. Wir haben ein halbes Jahr daran zu knabbern gehabt, das unser Sohn "dumm" ist, aber alle Tests haben nun mal eine eindeutige Sprache gesprochen. Die Förderschule ist eine Ganztagsschule in der die Hausaufgaben in der Schule gemacht werden. Für Felix und mich ein gigantischer Segen...keinen Hausaufgabenstress mehr und die Welt war wieder in Ordnung.

 

Nach einem Jahr Förderschule sagte mir seine Lehrerin, es könne sich sehr schlecht konzentrieren und er hätte vielleicht ADHS...ich war natürlich wie vor den Kopf geschlagen und ging mit ihm zu seinem Kinderarzt. Der führte verschiedene Tests durch (die ich nie zu sehen bekommen habe) und meinte jaaa es könnte ADHS sein und gab mir eine Überweisung zum Kinderpsychologen.

Der Kinderpsychologe führte ebenfalls verschiedene Tests durch (die ich nie zu sehen bekommen habe) und meinte, wenn er sich so schlecht konzentrieren könne, sollte er vielleicht mal das homöopathische Mittel "Zappelin" versuchen, das würde ihm helfen! Aha! Als Mutter, bzw. als Eltern will man natürlich helfen und so nahm er "Zappelin" welches nicht half.

Etwa zur gleichen Zeit wurde bei meinem Mann beim Augenarzt (bei dem auch Felix war) ein "Minischielen" festgestellt (er hatte abends nach der Arbeit immer furchtbare Kopfschmerzen). Der Augenarzt meinte aber, dass man da nichts dran machen könne, er sollte doch in einen anderen Beruf wechseln!!! Dies ergab sich auch ein Jahr später durch Zufall.

 

Weiter mit Felix: Nach dem "Zappelin" nichts brachte, meinte der Kinderpsychologe, wir sollten es doch mal mit Ritalin versuchen, das würde Ihm auf jeden Fall helfen.

Gesagt, getan...die Reaktionen in der Schule, bei der Ergo und bei der Logo waren phänomenal: Was haben sie denn mit Felix gemacht, der kann sich ja so gut konzentrieren. PRIMA, endlich etwas, das hilft! So ging es ungefähr 1 Jahr...ich merkte schon, das Felix immer ruhiger wurde, nicht mehr so viel lachte und irgendwie einen traurigen Eindruck machte. Eines Tage holte ich ihn von der Schule ab, mein Kind setzte sich neben mich, sah mich mit leeren, hohlen Augen an und sagte: "Mama, können wir die Zeit noch mal zurück drehen und noch mal von vorne anfangen? Ich will nicht mehr leben!"

 

HALLO??? Mit 10 Jahren Selbstmordgedanken??? Ich habe ihm von diesem Tag an kein Ritalin mehr gegeben und dies auch dem Kinderpsychologen mitgeteilt. Er meinte das wäre in Ordnung und gab uns einen neuen Termin.

 

Bei diesem Termin erklärte er uns, das hätte an der "Ummantelung" des Ritalin gelegen, da sei wohl ein Stoff drin gewesen auf den Felix reagiert hätte (AHA...), wie wäre es denn mal mit Medikinet? Ich war schon etwas vorsichtiger und sagte, dass wir jetzt erst mal eine Pause mit den Medikamenten machen wollten, zumindest so lange, bis die Lehrer rebellierten. Er war einverstanden.

 

Es dauerte nicht allzu lange bis die Lehrer rebellierten. Also her mit dem Medikinet! Und auch dieses Zeugs half. Am Wochenende und in den Ferien gaben wir es nicht aber ansonsten nahm er es tapfer ein, obwohl er es hasste (erst mal hatte er keinen Hunger...zumindest tagsüber nicht und wenn er abends aß...konnte er nachts nicht schlafen und er fiel nachmittags immer in ein Loch indem er sehr aggressiv war). Also wieder zum Kinderpsychologen: jaaa das sind nun mal die Nebenwirkungen, vielleicht ist die Dosis auch zu klein, wir nehmen mal etwas mehr! AHA!

 

Aber es half.... mein Sohn war in der Schule ruhiger und konnte sich konzentrieren, aber ansonsten??? Sein Schriftbild war wie in der ersten Klasse, malen tat er gar nicht und wenn dann nur auf drängen, lesen überhaupt nicht und Mathe war auch nicht viel besser…also eigentlich Stagnation!

 

Im Mai dieses Jahr meinte Felix dann zu mir, er könne schlechter sehen. Für mich ein gutes Zeichen, dann sind sicherlich seine Augen wieder besser geworden. Also Termin beim Augenarzt: nn.nn.nnnn um 12.20 Uhr: Gut! Mit Felix ging ich aber trotzdem am nächsten Tag zu Optiker A. in B-dorf (wie schon immer) und bat ihn, sich Felix mal kurz anzuschauen um etwas anderes auszuschließen. Er bestätigte, das seine Augen um 0,2 Dioptrien besser geworden seinen. Gut! Also warten auf den  Termin beim (Augenarzt)!

 

Der Tag kam und wir konnten in der Praxis direkt durch gehen ins Behandlungszimmer, wo eine Arzthelferin saß, die Ihm ein Blatt Papier zwischen Auge in Brille hielt und ihn bat die obere Reihe vorzulesen. Felix las die untere Reihe vor. Dasselbe mit dem anderen Auge: Felix las die untere Reihe rückwärts vor (ich staunte nicht schlecht, die Arzthelferin sagte nichts). Wir konnten direkt durch zum Augenarzt, der Felix einmal von Nahem und einmal von Weitem in die Augen leuchtete und dann sagte: " Dann sehen wir uns in einem halben Jahr wieder". Ich war wie vor den Kopf geschlagen und sagte das Felix seit 2 Monaten verschwommen sehen kann und das sein Optiker das bestätigte. Seine Antwort war:" Dann sehen wir uns in drei Monaten wieder und Ihr Optiker hat ja wohl ein bisschen falsch gemessen!" Mit diesen Worten verschwand er (und von dieser Sekunde auch aus unserem Leben!!!).

 

Ich war Wut entbrannt und schleppte Felix SOFORT mit zu unserem Optiker A., erzählte ihm das und er schüttelte nur den Kopf. Er nahm sich für Felix 90 Minuten Zeit und untersuchte ihn. Zuletzt zeigte er ihm auf einem hellen Hintergrund ein graues Kreuz und fragte Felix was er sähe. Felix wusste nicht was er antworten sollte und ich dachte: ...ist er nun wirklich sooo dumm??? Herr H. nahm ihm das Gestell von der Nase und sagte er solle mal mit den Händen zeigen, was er gesehen hat.  Und mein Sohn zeigte eine Senkrechte und 20 cm daneben die Waagerechte!!!! Ich war schockiert und musste mich setzen.

 

Hr. H. erklärte mir, dass Felix winkelfehlsichtig sei und ich fragte was das sei. Er meinte das ist so eine Art Minischielen, das er von Geburt an hat (Das Wort Minischielen kam mir bekannt vor...irgendwie) Er sähe alles doppelt und verschoben nach oben und unten und ich war fertig mit der Welt. Wir haben dann sofort einen Termin bei Ihnen (MKH-Praktiker) gemacht und seit dem 19.08.2011 KANN MEIN SOHN SEHEN. Bilder und Schriftproben habe ich Ihnen schon gegeben (vielleicht finde ich noch welche). Felix hat sich an diesem Tag, als er seine neue Brille bekam ZUM ERSTEN MAL IN SEINEM LEBEN FREIWILLIG hingesetzt und ein Bild gemalt (das liegt ihnen vor), er zeigte es mir und ich musste erst mal eine Strophe heulen!!!

 

Er nimmt kein Ritalin mehr...er braucht es auch nicht, und in der Schule fällt es noch nicht einmal auf!!!!!! Mein Sohn kann wieder lachen und das Beste: 2 Tage nach dem er seine Prismenbrille bekommen hat, hat er sich ein Modellflugzeug gekauft (wollte er schon immer haben)...es ist genau 15 Sekunden geflogen bevor er abgestürzt ist ABER (wie es Felix sonst mit Allem gemacht hat) er hat es NICHT in den Müll geworfen, sondern REPARIERT...er hat stundenlang hoch konzentriert mit diesen winzig kleinen Minischrauben gearbeitet, geschraubt, gemacht und getan und hat es wieder hin bekommen. Kurz vor den Herbstferien hat er sich sein allererstes Buch FREIWILLIG selbst gekauft! In der Schule kann er jetzt lesen, er kann rechnen...das ganze Kerlchen ist selbstsicherer geworden: WIR HABEN EIN NEUES KIND!!!!

 

Geht doch, habe ich gedacht…dann aber: Vor 6 Wochen hatten wir einen Termin bei seinem Kinderpsychologen, er fragte sofort ob wir noch genug Medikinet hätten und zückte schon den BTM Rezeptblock. Ich sagte Ihm voller Stolz, dass Felix eine Prismenbrille habe weil er winkelfehlsichtig sei und dass er Medikinet nicht mehr brauche. Was bekam ich zur Antwort? " Frau B., machen sie sich doch nicht lächerlich. Winkelfehlsichtigkeit GIBT ES NICHT! "Das Wort Winkelfehlsichtigkeit höre man oft im Zusammenhang mit AHDS" AHA!!! Und warum hat mir das niemand erzählt??? Warum hat mir niemand einen Tipp gegeben??? Er meinte dann, dass seine Praxis mit einem Augenarzt zusammen arbeite, die eine Fehlstellung der Augen (so wie Felix sie angeblich hätte) mit Augengymnastik wegtrainieren könne (also gibt es das doch???). Nie im Leben bekommt man 20 Prismendioptrien wegtrainiert! Ich durfte die Praxis verlassen ... und werde dort nie wieder hingehen.

 

Felix hat 2 Bilder gemalt, die ich Ihnen ja gegeben habe, eines mit der alten Brille, das andere mit Prismenbrille. Diese beiden Bilder habe ich seinem Kinderarzt zugefaxt (der Ihn seit 13 Jahren behandelt und alles von ihm weiß) und ihn angerufen, weil ich nicht wusste mit wem ich darüber reden konnte (Ich will Felix von der Lernbehindertenschule runter haben, weil dort nichts gelernt wird) und habe ihm mein Herz ausgeschüttet und geweint und mich selber beschuldigt, was ich Felix alles angetan habe, sogar Ritalin gegeben... Da hatte ich aber in ein Wespennest gestochen: Frau B., SIE WISSEN DAS ES WINKELFEHLSICHTIGKEIT NICHT GIBT!!! Hallo??? Sind die Bilder und die Schriftproben nicht Beweis genug, ist es kein Beweis das Felix kein Ritalin mehr braucht, ist es kein Beweis das er riesige Fortschritte in der Schule macht, ist es kein Beweis das er sich freiwillig stundenlang mit Flugzeugmodellen beschäftigt, oder auf einmal die Elektrik für sich entdeckt hat, ist es kein Beweis, das mein Sohn auf einmal einen Motor auseinander nimmt und wieder zusammenbaut? Mein Sohn ist auf Grund der Tatsache, das Ihm immer unbewusst oder bewusst eingetrichtert wurde, das er dumm ist, zum Grobmotoriker erzogen worden: das größte für ihn war immer Holz hacken (dabei hat er dann wohl immer seinen Frust raus gelassen), Felix ist auf Grund der Tatsache das die Winkelfehlsichtigkeit von seinem Augenarzt nicht behandelt worden ist, auf eine Lernbehindertenschule gekommen, wo er so einfach nicht herunter kommt! Weil auch sein Klassenlehrer die Winkelfehlsichtigkeit nicht akzeptiert!!!

 

Seit Felix sehen kann, habe ich ihn gebeten, doch mal seine Sachen aus der Schule mit nach Hause zu bringen. Weil das einzige was er immer in seiner Schultasche hat ist die Brotdose und zu Trinken. Ich habe nie erfahren, wann eine Klassenarbeit geschrieben wird, oder wie das Ergebnis war. Felix brachte seine Schulbücher und Hefte mit und ich war chockiert: Es ist jetzt in der 7.ten Klasse und lernt Stoff aus dem 3.ten Schuljahr Grundschule und vor allem immer wieder und wieder dasselbe: zum 5ten Mal in Bio das Auge, in Englisch zum 6ten Mal die Wochentage, in Erdkunde zum 4ten Mal die Bundesländer.....usw.

 

Das Schlimme ist aber, das Felix z. Zt. in der Pubertät ist und in seinem Leben nie gelernt, das lernen Spaß machen kann aber auch Leistung verlangt und jetzt im Moment ist lesen ja so was von uncool.... Wer kann mir helfen, die ganzen Blockaden (...das kann ich nicht ...ich bin dumm...) zu durchbrechen und den Weg frei zu machen??? 

 

Man hat meinen Sohn 10 Jahre lang vollkommen falsch behandelt, ich möchte nicht wissen, was all die Ergotherapie, Logopädie, Ritalin und Medikinet über die ganzen 10 Jahre die Krankenkasse gekostet hat.... ein unendlicher Rattenschwanz ist das und alles wird bezahlt. An dieser Winkelfehlsichtigkeit hängt eine ganze Industrie… ABER DAS, WAS WIRKLICH HILFT wird totgeschwiegen!

 

Ich hatte heute (15.11.2011) zum ersten Mal die Gelegenheit, mich mit einer erwachsenen Frau zu unterhalten, die selbst Winkelfehlsichtig ist (festgestellt mit 13 Jahren). Sie ist genau denselben Weg gegangen, wie Felix. Sie wurde ebenfalls von Ihrer Mutter unterstützt und hat mit Ihrer Brille dann das Gymnasium zu Ende gemacht. Sie hat mir auch einen Tipp gegeben, wie Felix seine Blockaden loswird. AB JETZT KANN ES NUR BERG AUF GEHEN … UND DAS ALLES HABEN WIR NUR IHNEN ZU VERDANKEN . Herr Dr. (MKH-Praktiker): mögen Sie bei bester Gesundheit mindestens 328 Jahre alt werden und noch mindestens 1 Mio. Kindern helfen!!!

 

Ach eines noch: Während eines Gespräches mit Herrn A., dem Optiker, setzte dieser mir eine Prismenbrille auf die Nase, so das ich sehen konnte wie Felix all die Jahre vorher gesehen hat, und bat mich Richtung Eingangstür zu schauen, ob ich seinen Mitarbeiter sähe…ich sah ihn…und 2 Meter daneben stand sein „Zwillingsbruder“. Mit diesem Bild im Kopf fuhr ich nach Hause und fragte Felix:“ Wie hast du es geschafft ein Glas Milch zu trinken, wenn Du zwei gesehen hast, woher wusstest du, welches das richtige war?“ Er schaute mich mit großen blauen Augen an und sagte:“

Mama! Hast du denn nie gemerkt, dass ich meine Hand 30 cm neben dem Glas auf den Tisch gelegt habe und sie dann langsam Richtung Glas geschoben habe. Das Glas, was ich zuerst in der Hand hatte, war dann wohl das Richtige!!!“

 

 

 

MEIN GOTT, WAS HABE ICH MEINEM KIND ALL DIE JAHRE ANGETAN?